Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden

Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden. Foto: Bentley
Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden. Foto: Bentley

Bentley hat für den Torcal, sein neues Elektromodell, eine künstliche Klangsignatur entwickelt, um das Fehlen eines der Merkmale auszugleichen, das am stärksten mit den traditionellen Fahrzeugen der Marke verbunden ist: den Klang großvolumiger Motoren.

Das „Bentley Dynamic Symphony“ genannte System verwendet Aufnahmen echter Instrumente und reagiert auf die Betätigung des Fahrpedals. Ziel ist es, dem Fahrer einen Teil des emotionalen Erlebnisses zu vermitteln, das zuvor von Motoren wie dem 6,75-Liter-V8 und dem W12 erzeugt wurde.

Der Hersteller erklärt, bewusst darauf verzichtet zu haben, lediglich das Geräusch eines Verbrennungsmotors nachzuahmen. Stattdessen wurde eine eigenständige Komposition entwickelt, die sich je nach Geschwindigkeit, Intensität der Beschleunigung und Fahrstil verändert.

Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden. Foto: Bentley
Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden. Foto: Bentley

Trotz dieser sorgfältigen Herangehensweise verdeutlicht die Initiative eine der größten Herausforderungen, denen Luxusmarken beim Übergang zu Elektrofahrzeugen gegenüberstehen: eine Identität zu bewahren, die über Jahrzehnte hinweg auf mechanischen Elementen aufgebaut wurde, die mit der Elektrifizierung verschwinden.

Bei Bentley war ein wichtiger Teil dieser Identität stets nicht nur mit der Leistung, sondern auch mit der Funktionsweise, den Vibrationen und dem Klang der Motoren verbunden. Im Torcal müssen diese Elemente durch ein programmiertes Erlebnis ersetzt werden, das über Lautsprecher wiedergegeben wird.

Mechanische Geschichte dient als Vorlage für einen künstlichen Soundtrack

Bentley S2 Drophead Coupé von 1961
Das Bentley S2 Drophead Coupé von 1961 verwendet einen 6,2-Liter-V8-Saugmotor. Foto: Bentley

Die Entwicklung des Systems nahm Bentleys mechanische Geschichte als Ausgangspunkt. Im Laufe der Jahrzehnte setzte der Hersteller unterschiedliche Konfigurationen ein, von den aufgeladenen Motoren der Rennwagen aus den 1930er-Jahren bis hin zum traditionellen V8 und W12, die viele Jahre lang die Spitze der Modellpalette bildeten.

Obwohl diese Motoren technisch unterschiedlich waren, hatten sie eine gemeinsame Eigenschaft: Ihr Klang nahm an Intensität zu und veränderte seinen Rhythmus, sobald der Fahrer das Fahrpedal betätigte.

Nach Bentleys Analyse hängt die emotionale Wirkung dieser Motoren nicht nur von der Klangfarbe ab, die durch die mechanischen Komponenten entsteht. Auch der Rhythmus der Verbrennungsvorgänge, die Taktfolge und kleine Schwankungen im Betrieb sollen eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung von Kraft und Einbindung spielen.

Diese Erkenntnis veranlasste das Unternehmen dazu, eine abstrakte Nachbildung dieser Empfindungen zu entwickeln. Anstelle von Kolben, Ventilen und Abgasanlagen wird der Torcal Musikinstrumente und elektronische Klangverarbeitung nutzen, um eine akustische Reaktion im Innenraum zu erzeugen.

V8 wurde mit einer Schlagzeugdarbietung verglichen

Um die rhythmische Struktur seiner Motoren besser zu verstehen, nahm Bentley den Klang eines V8 in einer kontrollierten Umgebung auf und analysierte ihn. Die Untersuchung ergab, dass die natürlichen Schwankungen des Motors dazu beitrugen, das Erlebnis weniger gleichförmig und vorhersehbar zu machen.

Der Bentley Continental GT Speed 2024 der vierten Generation – 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 600 PS. Foto: Bentley
Der Bentley Continental GT Speed 2024 der vierten Generation – 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 600 PS. Foto: Bentley

Der Hersteller führte außerdem ein Experiment mit gerichteten Lautsprechern durch. Auf der einen Seite wurde die Aufnahme des V8-Motors abgespielt. Auf der anderen Seite spielte ein Schlagzeuger live.

Als sich die Projektverantwortlichen zwischen den beiden Klangquellen bewegten, stellten sie Ähnlichkeiten in der rhythmischen Entwicklung und der Intensität der Klänge fest. Das Erlebnis diente als technische und konzeptionelle Begründung für den Einsatz von Instrumenten bei der Entwicklung der akustischen Signatur des Elektroautos.

Der Test zeigte außerdem, dass Verbrennungsmotoren nicht vollkommen gleichmäßig arbeiten. Kleine Schwankungen und Unregelmäßigkeiten gehören zu ihrem Betrieb und tragen dazu bei, einen als natürlicher empfundenen Klang zu erzeugen.

Im Torcal müssen diese Unregelmäßigkeiten durch Software simuliert werden, damit der Soundtrack nicht übermäßig repetitiv wirkt. Es handelt sich somit um eine bewusst eingeplante Unvollkommenheit, die jene Spontaneität nachahmen soll, die zuvor aus der mechanischen Funktionsweise selbst entstand.

Instrumente sollen den Platz des Motors einnehmen

Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden. Foto: Bentley
Bentley setzt auf Musikinstrumente, um die Emotionen von Verbrennungsmotoren in einem Elektroauto nachzubilden. Foto: Bentley

Professionelle Musiker nahmen den Soundtrack des Torcal mit Schlagzeug, Bratsche und Bass auf. Die Instrumente wurden in verschiedenen Ebenen angeordnet, die je nach Betätigung des Fahrpedals kombiniert und verändert werden.

Bei stärkerer Beschleunigung erhöht das System den Rhythmus und die Präsenz der Instrumente. Bei ruhiger Fahrweise wird die Komposition zurückhaltender. Ziel ist es, eine direkte Verbindung zwischen der Bewegung des Fahrzeugs und dem von den Insassen wahrgenommenen Klang herzustellen.

Die Funktionsweise ähnelt einem interaktiven Soundtrack, der sich in Echtzeit an die Handlungen des Fahrers anpasst. Obwohl das System das Gefühl von Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit verstärken kann, wirft es auch eine unvermeidliche Frage auf: Inwieweit kann ein über Lautsprecher erzeugtes Erlebnis die mechanische Verbindung ersetzen, die die Marke bewahren möchte?

Bentley ist mit diesen Bemühungen nicht allein. Da die natürlichen Geräusche in Elektrofahrzeugen abnehmen, haben zahlreiche Hersteller damit begonnen, eigene Klangsignaturen zu entwickeln. Neben akustischen Rückmeldungen beim Beschleunigen dienen diese Soundtracks auch als Instrumente zur Differenzierung und Vermarktung.

Beim Torcal entschied sich das Unternehmen dagegen, einen V8 oder W12 wörtlich zu imitieren, möglicherweise um zu vermeiden, dass das Elektromodell lediglich wie eine künstliche Nachbildung seiner Vorgänger wirkt. Dennoch bleibt die sogenannte „Bentley Dynamic Symphony“ unmittelbar von der Erinnerung an jene Motorengeräusche abhängig, die durch die Elektrifizierung ersetzt werden sollen.

Übergang offenbart das Dilemma traditioneller Marken

Die im Torcal eingesetzte Lösung zeigt, wie traditionelle Hersteller versuchen, die von ihren Kunden geschätzten Eigenschaften zu bewahren, während sie gleichzeitig Technologien aufgeben, die ihre Produkte über Jahrzehnte hinweg geprägt haben.

Bei einem Bentley mit Verbrennungsmotor war die akustische Reaktion eine direkte Folge der Motordrehzahl, der anliegenden Last und des Gasstroms durch die Abgasanlage. Beim Elektromodell wird diese Beziehung nun durch Sensoren, Software, Aufnahmen und Lautsprecher vermittelt.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Erlebnis wenig überzeugend sein wird. Die Abstimmung von Klang, Beschleunigung und Fahrzeugreaktion kann zu einem technisch anspruchsvollen Ergebnis führen. Gleichzeitig unterstreicht sie jedoch den künstlichen Charakter einer Empfindung, die zuvor auf natürliche Weise entstand.

+ Israelisches Unternehmen präsentiert KI-System zur Bekämpfung von glasfasergesteuerten Drohnen

Quelle und Bilder: Bentley Motors. Dieser Inhalt wurde mithilfe von KI erstellt und von der Redaktion geprüft.

Back to top